Bert Wollersheim

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Schlüssel zur Hoffnung

Das vom Autor selbst verfasste Vorwort zum Ratgeber: "Jobs finden in harten Zeiten" macht doch ein wenig misstrauisch: Kennt Bolles die Wirkungsmechanismen der kapitalistischen Wirtschaft und die Entstehungs-geschichte der jüngsten Banken- und Wirtschaftskrise tatsächlich nicht. Wenn er mit verharmlosenden Worten die Frage stellt: "Wie ist die Welt nur in diese ökonomische Bredouille geraten, in der sie sich momentan befindet?" und den Personalabbau in den Betrieben auf das Resultat einer veränderten Konsumentenhaltung reduziert, so ist das nicht seinem Schreibstil geschuldet. (" Ich schreibe wie ich rede") Nein, Bolles schreibt wie er denkt. Ist er vielleicht ein Schönfärber?

Zugegeben, es ist nicht Bolles Anliegen, die Ursachen von Arbeitslosigkeit zu ergründen, sondern Wege aus der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen. Kernthemen sind dann auch Bolles zum Teil etwas eigenwillige Methoden der Jobsuche, sowie Ratschläge zum Umgang mit Arbeitslosigkeit. Er bedient über weite Strecken den naiven, gutgläubigen Leser, wenn er zum Beispiel Erfolgsquoten einzelner Methoden zur Jobsuche miteinander vergleicht, und Zahlen zum Arbeitsmarkt in den Raum stellt die er von einem Lobbyisten, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände bezieht. So wird laut Hundt den Arbeitsagenturen in Deutschland nur jede zweite offene Stelle gemeldet.

Natürlich nutzt Bolles diese Vorlage um seine 18 Methoden der Jobsuche hervorzuheben und zu behaupten: "es gibt immer freie Stellen"

Bei seinem Methodenvergleich kommt die Arbeitsagentur mit einer Erfolgsquote von 6-8 Prozent bei der Jobvermittlung nicht gut weg. Bessere Erfolgsaussichten bei der Jobsuche verspricht Bolles durch die Einschaltung privater Arbeits- und Personalvermittler, die Pflege von Netzwerken und die initiative, persönliche Vorsprache in Betrieben. Eine ebenfalls hohe Erfolgsquote (bis zu 70 Prozent) ist nach Bolles durch die Auswertung von Branchenverzeichnissen (gelbe Seiten) zu erzielen.

Für die von Bolles genannten Erfolgsquoten gibt es kein wissenschaftlich gesichertes Datenmaterial. Es sind Bolles Schätzungen!

Bolles rät auch zu fragwürdigen Methoden: "Als nächstes verfassen Sie einen herkömmlichen Lebenslauf und hinterlegen ihn überall im Netz: bei Jobrobots, bei berühmten Jobbörsen, bei sozialen Netzwerken und auf speziellen Fachseiten..."

Bolle stellt zum Schluss seines Buches einen "Aktionsplan bei Arbeitslosigkeit" vor. Darin empfiehlt er unter anderem: "Machen Sie einen Mittagsschlaf. 37 Prozent aller US Amerikaner machen mittags ein Nickerchen." Oder: "Wenn Sie nicht schon sparsam leben, dann beginnen Sie jetzt damit. Discounter, Wochenmärkte, eBay, und Flohmärkte sollten ihre besten Freunde werden." Für den Campus Verlag ist das die motivierende und humorvolle Art ihres Autors.

Dennoch: Bolles zum Teil unkonventionelle Methoden sind für den unerfahrenen, ahnungslosen Jobsucher ein "Schlüssel zur Hoffnung".

Richard Nelson Bolles: "Jobs finden in harten Zeiten" Frankfurt 2010; ..................................ISBN: 978-3-593-39245-5; Campus Verlag; 9,90 €