Bert Wollersheim

www.berufswahlnavigator.de

Mögliche Utopien oder utopische Möglichkeiten

Mit der Arbeitsmarktstatistik für Juni 2010 meldet die Bundesagentur für Arbeit rund 3,5 Millionen arbeitslose Menschen auf Jobsuche.

Im Vertrauen auf das Dienstleistungskonzept 5.0, von dem die Bundesagentur für Arbeit behauptet es sei professionell, wenden sie die ihnen zur Jobsuche vorgegebenen Handlungsstrategien an: schreiben Bewerbungen auf Stellenofferten, werten Zeitungsanzeigen und Onlinejobbörsen aus und bieten sich bei Leiharbeitsfirmen an. Sie gehen also bei der Jobsuche die üblichen Wege, "und das heißt: Sie machen alles verkehrt."

Das jedenfalls meint Christian Pape, Personalberater und Vorstandsvorsitzender der Pape AG. "Traumjobs und freie Stellen gibt es immer" behauptet Pape in seinem jetzt erschienenen, rund 330 Seiten umfassenden Ratgeber "TRAUM! JOB! NOW!" Nicht irgendwo unterzukommen dürfe dabei das Ziel sein, "sondern den Beruf auch als Berufung zu verstehen und Spaß am Job zu haben, gerne zur Arbeit zu gehen."

Nein, Pape ist kein Phantast. Ein Blick auf die Firmenwebseite www.pape.de weist ihn als erfolgreichen Mittler auf dem Teilarbeitsmarkt für Jobs auf allen Managementebenen aus.

Pape abstrahiert, überträgt seine Erfahrungen als Personal- und Karriereberater aus einem Teilsegment des Arbeitsmarktes und befruchtet die Jobsuche schlechthin.

Pape hat auch schlitzohrige Tipps: Zum Beispiel diesen: "Heben Sie sich Zeitungen mit Stellenanzeigen auf und rufen Sie nach einigen Wochen bei den inserierenden Firmen an, ob die Stelle noch frei ist....Wir haben das immer wieder mal getestet und festgestellt, dass die Anzeige oft erfolglos war und die Stelle noch unbesetzt ist."

Der Autor favorisiert für die Jobsuche in erster Linie den "verdeckten Arbeitsmarkt". Das heißt: freie Arbeitsstellen erscheinen nicht in Jobbörsen oder Zeitungsinseraten. Sie werden erfolgreich besetzt, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas erfährt. Das Zauberwort heißt Netzwerke. Über Netzwerkverbindungen erfahren Jobsuchende aktuell, oder potentiell zu besetzende Arbeitsstellen. Also stehen der Aufbau und die Pflege eines Netzwerkes im Vordergrund, um frühzeitig auf Vakanzen bei eventuell in Frage kommenden Betrieben aufmerksam zu werden. Auch "referral programme" der Betriebe sind in der Regel nur über Netzwerke zu erfahren.

Der Pape-Schüler reagiert nicht, er agiert strategisch. So hat denn auch für Pape das Internet seinen Stellenwert in der Hauptsache zur Netzwerkpflege, und nicht etwa zur Auswertung der Stellenanzeigen bei StepStone, Jobscout 24 oder der Jobbörse von arbeitsagentur.de.

Xing, LinkedIn, Plaxo sind die Plattformen im Web, die es zu nutzen gilt.

Natürlich, wie könnte es anders sein, gehören auch die seriösen Personalberater zu den "Jobflüsterern" im persönlichen Netzwerk. Vielleicht liegt hier sogar der Hauptgewinn für den ein oder anderen Suchenden.

Etwa ein drittel des Buches verwendet der Autor mit Erörterungen zur persönlichen Verfassung und inneren Einstellung des Job-Suchers. Schnell wird deutlich: der "Königsweg Pape" braucht den mit Autonomie ausgestatteten Optimisten.

So bleiben die von Pape geflüsterten Möglichkeiten für die große Zahl der Jobsucher, die aus existenzieller Notwendigkeit nach Arbeitsstellen suchen, eher Utopie.

Christian Pape: "TRAUM! JOB! NOW!"

Die Geheimnisse der erfolgreichen Jobsuche; München 07/2010; Heyne; ISBN 978-3-453-68009-8; 12,95 €