| Bert Wollersheim | |
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"Kein Job in Sicht" Im Jahresdurchschnitt 2009 zählte die Bundesagentur für Arbeit 377.000 arbeitslose Jugendliche in der Alters-gruppe 15 -25 Jahre. Weltweit sind nach Berichten der internationalen Arbeitsorganisation 81 Millionen junge Menschen ohne Arbeit. Mit der zwangsweisen Ausgrenzung vom Arbeitsprozess wird ihnen die Grundlage für ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben entzogen. Die individuellen Folgen, wie: Rückzug aus sozialen Beziehungen, Selbstzweifel, Identitätsdiffusion, Desorientierung, somatische und psychosomatische Beschwerden hat der Sozial-wissenschaftler Ali Wacker bereits in den 80er Jahren beschrieben. Vor diesem Hintergrund engagiert sich der Autor Stefan Dassler mit seinem Buch. "Kein Job in Sicht" für individuell ausgerichtete Strategien zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit. Sein Arbeitsbuch richtet sich an die Altersstufe der 14 -19 jährigen Jugendlichen. Die Themen sind wie Unterrichtseinheiten aufgebaut und können sowohl in Einzelarbeit, als auch im Klassenverband bearbeitet werden. Dassler sensibilisiert zunächst mit Informationen, Beispielen und Übungen über die verschiedenen Erscheinungs-formen der Arbeitslosigkeit für die Problematik. Zum Schutz vor Arbeitslosigkeit favorisiert er die individuelle Qualifizierung. Folgerichtig zeigt er Möglichkeiten auf, fehlende Schulabschlüsse zu erwerben. Die Empfehlung ist unbedingt richtig, wenn auch einzelne, im Buch vorgeschlagene Beispiele nicht aktuell sind.(z.B. Berufsaufbauschulen) Die unterschiedlichen Regelungen zur nachträglichen Erlangung von Schulabschlüssen in den Bundesländern erschweren natürlich die Bemühungen, das System der schulischen Bildung transparent zu machen. So müssen dann die im Buch vorgestellten Möglichkeiten im konkreten Fall auf Aktualität und Richtigkeit überprüfen werden. Da aber auch Qualifizierung nicht vor Arbeitslosigkeit schützt - laut Bundesagentur für Arbeit hatten 2009 im Jahresdurchschnitt 51 Prozent der erfassten Arbeitslosen eine betriebliche oder schulische und 5 Prozent eine akademische Berufsausbildung - zeigt Dassler auch Möglichkeiten auf, die bei Arbeitslosigkeit genutzt werden sollen. Auch hier zielt der Autor in erster Linie darauf ab, eine aktive Rolle zu übernehmen um durch zielgerichtete Aktivitäten, unter Nutzung diverser, institutioneller Hilfen die Arbeitslosigkeit rasch zu beenden. Leider ist dazu die Abhandlung im Arbeitsbuch etwas unsystematisch und undifferenziert. Kommen doch viele der vorgestellten Maßnahmen, wie "Ein-Euro-Job", Umschulung, und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. in der Regel für die angesprochene Zielgruppe (noch) nicht infrage. Überwiegend hilfreich sind die im Buch benannten Kontaktstellen und Internetadressen. Allerdings nimmt es der Autor hier nicht so genau, wenn er zum Beispiel den "Arbeitsberater" als Entscheider für die Zumutbarkeit eines angebotenen Jobs benennt. Arbeitsberater wurden in den Arbeitsagenturen im Zuge der politisch intendierten Neuorganisation schon vor Jahren wegrationalisiert. Zudem ist das Thema Zumutbarkeit im Sozialgesetzbuch III, und den von der beauftragten Bundesagentur für Arbeit erlassenen Durchführungsanweisungen detailliert geregelt und unterliegt nicht der Willkür eines Agenturmitarbeiters. Bei Dassler kommt die Verantwortung der Politik und deren Möglichkeiten zur Gestaltung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen etwas zu kurz. Es wäre legitim, auch bei der hier angesprochenen Zielgruppe für eine vorausschauende, aktive Arbeitsmarktpolitik zu werben, und die Lust auf aktive Mitgestaltung politischer Prozesse anzuregen. Stefan Dassler: "Kein Job in Sicht" Verlag an der Ruhr 2010 / ISBN 978-3-8346-0751-5 / 20,90€
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